Verdacht / Mord
(Staffel 2)

Serien-Kritik von Carola Krauße-Reim (01.2022) / Titel-Motiv: © lukaspictures.com

Eine junge Frau muss gefunden werden

Susannes Welt liegt in Trümmern – ihre Tochter Christina wurde getötet und ihr Ex-Mann Bjørn sitzt seit dem Mord an seinem Kollegen im Gefängnis. Angeschlagen nimmt sie ihre Tätigkeit als Psychologin wieder auf. John, ein neuer Patient, gesteht ihr in Hypnose, dass er als Auftragsmörder junge Frauen tötet und dass er bald wieder zuschlagen wird. Susanne versucht alles, um diesen Mord zu verhindern – doch beim befreundeten Polizeichef Richard stößt sie auf wenig Verständnis und auch Polizistin Luise will ihr nicht helfen, gibt aber dennoch Hinweise, die Susanne weiter führen.

Nordic Noir mit gleichem Konzept

Auch in dieser zweiten Staffel bleibt Drehbuchautor und Regisseur Christopher Boe seinem Konzept der kurzen Episoden mit dem Charakter eines Kammerspiels treu. Wieder gibt es in jeder Episode lediglich ein Setting, in dem sich die Protagonistin Susanne mit einer anderen Person trifft, die ihr, wie bei einer Schnitzeljagd, einen weiterführenden Hinweis gibt.

Immer tiefer taucht Susanne in die Unterwelt Kopenhagens ein, wird sich der Korruption bewusst, die sich die Polizei erlaubt; bekommt Hinweise, dass Ermittlungen offensichtlich willentlich nicht erfolgen und Richard scheinbar viel mehr von den toten Frauen weiß und vor allem viel mehr mit der Ermordung ihrer Tochter zu tun hat, als sie es jemals für möglich hielt.

Doch in dieser zweiten Staffel geht dieses Konzept des Minimalismus nicht auf. Der Geschichte fehlt es an der tragenden Basis, die anders als in der vorhergehenden Staffel einfach nicht die Brisanz aufweist und nur wenig Spannung produziert. Zwar herrscht auch hier eine düstere und wenig positive Grundstimmung, auch hier spielt bei der Suche nach dem potentiellen nächsten Opfer die Psychologie eine große Rolle, doch das kann dieses Mal nicht so fesseln, wie es bei der Suche nach Christinas Mörder der Fall war - ein erfolgreiches Konzept macht nicht zwangsläufig jede Geschichte zum Erfolg.

Trine Dyrholm rettet die Staffel

Wie mit Bjørn in Staffel 1 basiert auch diese auf der Handlung lediglich einer Person als Protagonisten. Susanne verbindet alle Episoden und trägt die Handlung. Wieder setzt Boe auf eine psychologische Notlage, denn Susanne will nicht nur einen Mord verhindern, sondern das wieder gut machen, was sie bei Tochter Christina versäumt hat. Tryne Dyrholm verkörpert die verzweifelte Frau, die physisch und psychisch am Ende ist und dennoch nicht aufgibt, brillant.

Mit Mut zum Alter und zur Biederkeit hetzt sie von einem Ort zum nächsten, immer die Zeit im Nacken. Ihre Verletzlichkeit ist greifbar, ihre Verzweiflung auch und ihr Entsetzen über die Korruption in der Polizei nimmt man ihr ab. Das intensive Spiel Dyrholms rettet die ansonsten dünne Handlung, die manchmal sogar ins klischeehaft Triviale abzugleiten droht, was gerade in der Schlussepisode besonders auffällt. 

Viele Frage bleiben offen

Es verbietet sich zu verraten, ob Susanne den nächsten Mord verhindern kann, jedoch wird die Staffel glaubhaft abgeschlossen. Susanne muss allerdings feststellen, dass der Mord an Christina noch lange nicht aufgeklärt ist. Anders als der Zuschauer der 1. Staffel, erfährt sie erst jetzt von den Zusammenhängen und Abgründen. Und auch in dieser 2. Staffel ergeben sich neue Fragen – was hat Christina mit den ermordeten Frauen zu tun? Warum unterbindet die Polizei die Ermittlungen? Welche Rolle spielt Richard? Und natürlich - wer hat Christina wirklich ermordet? Es gibt ausreichend Andeutungen, aber kaum Konkretes - das lässt auf eine weitere Staffel hoffen!

Fazit

Tryne Dyrholm als Susanne rettet diese zweite sehr temporeiche Staffel, die auf dem gleich minimalistischen Prinzip, wie die erste beruht, aber durch ihre weniger intensive Geschichte nicht so fesseln kann. Viele offene Fragen lassen vermuten, dass eine weitere Staffel folgen wird, die uns dann vielleicht auf den Grund des Sumpfes und zum Mörder von Christina führt.

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Fotos: ©‎ Henrik Ohsten / lukaspictures.com

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