Reyka – Mord in Afrika

Serien-Kritik von Carola Krauße-Reim (09.2022)

Packende Miniserie aus Südafrika

1994, am Tag der ersten unabhängigen Wahlen in Südafrika, wird die junge Reyka Gama entführt. Erst Jahre später kann sie von der entlegenen Bananenfarm entkommen. Heute ist sie eine anerkannte Polizei-Psychologin, die sich in die seelischen Abgründe der Verbrecher einzufühlen versteht. Ihr neuster Fall konfrontiert sie mit einem Serienmörder, der es auf junge schwarze Frauen abgesehen hat. Die Morde fordern sie und das ganze Team um Polizeichef Zwane. Zeitgleich holt sie die Vergangenheit ein, denn ihr Entführer beantragt die vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis.

Thriller mit Einblicken in die südafrikanische Gesellschaft

Südafrikas Gesellschaft musste sich nach dem Ende der Apartheid komplett neu definieren. Das Leben in diesem Staat unterscheidet sich aber auch heute noch extrem von unserem eigenen, auch wenn die Hautfarbe keine Rolle mehr spielen sollte. „Reyka – Mord in Afrika“ konfrontiert uns mit der rauen Realität außerhalb der großen Städte. In der Provinz KwaZulu-Natal existieren Stammeshierarchien neben staatlichen Organen, was das Leben der schwarzen Polizisten nicht einfacher macht. Die Nachwehen der Apartheid sorgen nicht nur für Rivalitäten zwischen den Stämmen, sondern fördern auch Spannung zwischen schwarzen und weißen Afrikanern.

Der offen zur Schau gestellte Machismo und die daraus resultierende Rolle der Frauen dürften zumindest irritieren. Was für Afrikaner vielleicht der Alltag ist, muss in Europa erst einmal verdaut werden. Vor diesem Hintergrund passieren grausame Morde an jungen schwarzen Frauen. Bald ist klar, dass der Täter sie in ein Maisfeld verbringt, wo sie im Dickicht der Pflanzen einen makabren Friedhof bilden.

Die Arbeit der Polizei muss die Befindlichkeiten der Stammesführer berücksichtigen und dennoch schnell handeln, denn immer mehr Mädchen verschwinden. Das Drehbuch von Rohan Dickson schafft es, die Probleme der Gesellschaft zu zeigen und gleichzeitig fesselnde Spannung zu erzeugen, die in den Bildern von Regisseur Zee Ntuli greifbar und manchmal auch brutal transportiert wird. Zeitgleich lässt er Reyka ihre persönliche Herausforderung durchleben. Diese zwei Ebenen, vor dem Hintergrund einer schwierigen Gesellschaft, machen den besonderen Reiz dieses Trillers aus. Rückblicke in Reykas Leben während ihrer Gefangenschaft ergänzen den schon packenden Plot und verdeutlichen die Lage dieser Frau, die inzwischen selbst Mutter ist und die bis heute mit Erinnerungslücken kämpft und gezeichnet ist von der Vergangenheit. „Reyka – Mord in Afrika“ ist ein Psychothriller auf mehreren Ebenen, von denen jede einzelne fesselt.

Gekonntes Spiel aller Mimen

Die ganze Handlung ist um Polizei-Psychologin Reyka aufgebaut. Sie ist als Frau gemischt-ethischer Herkunft dem Misstrauen besonders ausgesetzt. Kim Engelbrecht verkörpert diese Person absolut glaubhaft. Nur manchmal übertreibt sie in ihrer Mimik etwas, gerade, wenn sie fast schon hellseherisch Details wahrnimmt, die andere nicht sehen und die zwangsläufig die Ermittlungen maßgeblich beeinflussen. Doch ihre eigene psychische Verfassung, ihre Probleme mit der Mutterrolle und den Hang zur Selbstzerstörung nimmt man ihr ab. Selbst ihr ambivalentes Verhältnis zu ihrem Entführer Angus Speelman ist nachvollziehbar, obwohl die Zusammenhänge erst nach und nach durch die Rückblicke klar werden. Dass dieser manipulativ und grausam sein kann, zeigt Schauspieler Iain Glen. Mit sanfter Stimme, stechendem Blick und dennoch einnehmend, beeinflusst er Reyka noch heute, was sie zu einer Entscheidung veranlasst, die sie noch bitter bereuen wird.

Ich muss zugeben, dass Iain Glen zu meinen Lieblingsschauspielern gehört, doch selbst aus neutralerer Perspektive muss man zugeben, dass seine Rolle zwar nicht sehr umfangreich ist, er seine Figur aber so großartig darstellt, dass es einem kalt den Rücken herunter läuft, wenn er Reyka mit Kosenamen anspricht oder mit leiser Stimme ihr erzwungenes Verhältnis als das von Vater und Tochter bezeichnet.

Beide zeigen, dass es schwierig ist, in ein Leben nach der Entführung zurückzukehren, auch wenn diese schon über 20 Jahre zurück liegt. Aber auch die anderen Schauspieler zeigen ihre Figuren überzeugend und realistisch. Der Polizeichef schwankt zwischen Stammesfolgschaft, staatlicher Pflicht und dem Wunsch seinen Sohn zu schützen. Der ist selbst in seinem Team tätig und will sich unbedingt profilieren, was natürlich fürchterlich schief geht. Reykas Mutter kämpft um das Wohl ihrer Tochter und Enkelin, die wiederum mit der Unsicherheit und Distanz der eigenen Mutter zurechtkommen muss.

Und dann gibt es noch den Fall

Wer ist der Mann, der die jungen Frauen so grausam ermordet? Reyka ist überzeugt, dass er ebenfalls Schwarzer ist und ganz offensichtlich ein schweres Problem mit Frauen hat. Immer wieder werden Verdächtige vernommen, die sich gleichzeitig den Nachstellungen der Gesellschaft ausgesetzt sehen, was zu brutalen Übergriffen führt. Unwillkürliche Wendungen, immer neue Ansätze und daraus resultierende Probleme lassen die Miniserie mit acht Folgen nie langweilig werden.

Die Lösung bringt Reyka noch einmal in ganz persönliche Gefahr, dürfte aber vielleicht den schwächsten Punkt im ganzen Geschehen darstellen. Doch das verzeiht man dem Drehbuchautor schnell, denn der große finale Showdown am Schluss macht das allemal wieder wett.

Fazit

Ein packender Psychothriller mit gutem Plot und hervorragend agierenden Schauspielern vor dem Hintergrund einer komplizierten afrikanischen Gesellschaft. Das etwas andere Stetting, die spannende Suche nach dem Serienmörder und das Spiel von Kim Engelbrecht und Ian Glen machen die Miniserie absolut sehenswert.

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Bilder: © Polyband Medien GmbH

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