Kosmetik des Bösen

Film-Kritik von Sabine Bongenberg (04.2023)

Die Dämonen in dir

Der berühmte Architekt Jeremiasz Angust hat gerade in Paris einen Vortrag vor großem Publikum gehalten und hetzt jetzt quer durch die Stadt, um seinen Flug zu erwischen. Es regnet in Strömen und aus Mitleid nimmt Angust eine junge Frau mit, die auch zum Flughafen will. Diese Entscheidung soll er noch bereuen, verpasst er wegen ihr doch seine Maschine. Immerhin - auch der Flug der Frau ist weg und so landen die beiden in der Flughafenlounge, wo sie die Zeit mit einigen Drinks und einigen Gesprächen totschlagen. Normalerweise dürften sich diese Gespräche zwischen zwei Fremden irgendwo im Smalltalk abspielen - oder aber dem guten alten Muster "Boy-meets-girl" folgen. Was hier aber zum Vorschein kommt, hat mit oberflächlichem Geplapper nicht viel zu tun. Die junge Frau, die sich als Tex Textor vorstellt, offenbart Mörderisches...

Verfilmung der Romanvorlage von Amélie Nothomb

Amelie Nothomb hat mit ihrem gleichnamigen Roman die Vorlage für diesen Film geleistet. Dennoch unterscheidet sich ihr Werk in wichtigen Punkten von dem Film. Im Buch taucht plötzlich ein männlicher Tex Textor am Flughafen auf und beginnt den im Wartebereich sitzenden Jérome Angust im wahrsten Sinne des Wortes zuzutexten. In seiner Beharrlichkeit ist das selbst für den Leser nervig - vom Held der Geschichte ganz abgesehen. Aber die Anhänglichkeit Textors hat seine Gründe, denn auch hier offenbart er alsbald ungefragt Unfassbares.

Die Verfilmung umgeht mit ihrem veränderten Auftakt die besonders nervigen Momente des nicht zu vertreibenden Dauerquasslers, setzt die Geschichte allerdings mit der Umkehrung seines Geschlechtes auf eine ganz andere Schiene. Dennoch ist es hier auch gut gelungen, dass eine bisher ungehörte Stimme erklingt und das Augenmerk des Zuschauers auf einen bisher ungeklärten Mord lenkt. Nicht unerwähnt sollte aber auch bleiben, dass auch die Beharrlichkeit des weiblichen Tex Textors gehörig an den Nerven sägt.

Mir gefiel an der Verfilmung gut, dass insbesondere Elemente, die auch im Arbeitsbereich eines Architekten verwendet werden, die Handlung zusätzlich visualisieren. So wird der Flughafen Orly, den Angust entworfen hat, als Modell eingesetzt, der aber jetzt - quasi in einem Zeitsprung - bereits die beiden winzigen Modellfigürchen von Angust und Textor aufweist. Immer wieder werden auch andere kleine Szenen in diesem Modell eingefangen und das sorgt - neben einer traumartige Sequenz - dafür, dass die Aufmerksamkeit des Zuschauers besonders auf diese Szenen gezogen wird.

Eine düstere, langsam erzählte Geschichte

Wer sich im Hinblick auf die Rolle des Flughafens im Film an die guten, alten Bruce Willis Filme erinnert und hier auf Action hofft, der sieht sich getäuscht. Regisseur Kik Maíllo erzählt in einem sehr langsamen - man könnte auch sagen: behäbigen - Tempo und erst zum Ende des Films kommt doch noch einmal mehr Leben auf.

Im Vergleich zum Buch musste dann natürlich auch ein neues Ende konstruiert werden, da die alte Auflösung mit einem weiblichen Textor nicht mehr passen konnte. Mir gefielen daher auch die letzten Akte des Buches besser, da ich den Weg dorthin besser nachvollziehen konnte.

Fazit

Die spannend - aber auch teilweise nervig-  erzählte Geschichte aus der Romanvorlage "Die Kosmetik des Bösen" kann hier abschnittsweise gut erzählt werden, fällt aber auch in anderen Bereichen im Vergleich zum Buch ab. Für einen verregneten Sonntagnachmittag auf der Couch ist dieser Film mit seiner düsteren Stimmung sicherlich nicht uninteressant - aber ehrlich gesagt - auch für so einen Nachmittag hätte ich schon gerne mehr etwas lebendigeres.

Bilder: © PLAION

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